Das Motivationsschreiben oder: Are you fucking kiddin’ me?

Bei den diversen freien, eigenverantwortlichen, geringfügigen oder sonstigen kreativen Beschäftigungs(förderungs)verhältnissen am Rande des Karrierespektrums ist es ja oft so, dass einem die allzu klassischen Abläufe der Jobsuche erspart bleiben (bei Leuten wie mir, die „Teamfähigkeit“ für eine Beleidigung ihrer selbstständigen Denkweise und “Networking” für was Unzüchtiges mit Massageöl und Fischernetzen halten, hat das definitv Vorteile). Vorstellungsgespräche haben meist nur eine (Knockout-)Runde und in der Regel ist es ausreichend, wenn man eine höfliche Standardmail mit Lebenslauf im Anhang sendet, um mal sein potentielles Plätzchen im Auswahlverfahren zu markieren, ohne weitere übertriebene Extraleistungen.

Selten gefragt ist dabei das titelgebende Motivationsschreiben, eine sinnlose Strafaufgabe direkt aus der Yuppie-BWL-Hölle der USA, die natürlich auch in unserem Raum übernommen werden musste, weil der asoziale 08/15-Gleichschaltungs-Ami-Scheissdreck ja immer besonders zieht, Stichwort Kulturimperialismus u.ä.. Universales Motto dieser Übung allerorts schien mir schon immer ein herzhaftes “Jetzt lasst uns mal ’ne nette kleine Einstiegshürde basteln, damit uns nicht jeder einarmige Vollpfosten mit Grundschulwortschatz anschreibt“ zu sein. Dann doch schon mal lieber eine Stunde des Lebens der potentiellen Einkommensanwärter damit verschwenden, dass ein ewiggleicher, unpersönlich-schleimiger BlaBla-Sermon Marke Googlevorlage-Copy&Paste produziert wird, den sich erst recht keiner durchliest, weil ja ohnehin immer der gleiche Scheissdreck drinsteht.

Was soll man denn auch bitteschön in so einem “Motivationsschreiben” schon großartig Erhellendes verewigen?

  • “Leute, ich bin ein egozentrisches Arschloch mit Stegaslenie und einem leichten Hang zur Cholerik, aber der Stundenlohn, den ihr da genannt habt, der könnte glatt dafür sorgen, dass ich meine eigenen Probleme für etwa 30 Minuten täglich großzügig links liegen lasse, um bei euch ein bisschen den produktiven Teamheini zu machen; weil, Teamfähig bin ich wie Sau, da machen ja andere meine Arbeit”
  • “Ich bin so blöd und oberflächlich, wie ich auf meinem Bewerbungsfoto aussehe, aber mein Kaffee ist spitze und ich kann auch super tippen, echt jetzt, solange mir halt nicht die Krawatte auf der Tastatur im Weg ist”
  • “Ganz ehrlich: ich brauch ’nen Job, ihr habt ’ne Stelle frei die innerhalb des Spektrums meiner besonderen Fähigkeiten und Ausbildungen liegt. Ich mache meinen Job und ihr zahlt mich dafür – Deal?”.

Natürlich hat der ganze Scheissdreck nicht nur System, sondern auch Sinn, das ist mir schon klar (Doktorat sei Dank durfte ich bei dem Zirkus ja auch schon mitmachen); effizient durch die Bewerbungsphase auf Seiten der Ausschreibenden ist die Devise, bloß keine Besonderheiten oder ein wenig Individualität, sondern standardisierte Ausbildungen, Fortbildungen, Lebenswege, Beweggründe, Motivationen. Jede Branche hat ihre bevorzugten Bestseller und Dauerbrenner, die das HR-Department erfreuen. Weil man ja nichts besseres zu tun hat, und sich auch ja alle immer ganz wichtig vorkommen sollen…

Mit ein bisschen Glück und Geschick reicht eines dieser zauberhaften “Motivationsschreiben” auch für mehrere Versuche; in diesem Fall nur bitte immer vergewissern, dass die Unternehmen und Insitutionen richtig ausgetauscht und reinkopiert wurden – sonst folgt eine beleidigt und dezent indignierte Anwort, in der sich die Exzellenzuniversität VonUndZuGroßerName-KleinerOrt „bedauerlicherweise außerstande sieht, Ihren Antrag in weiterer Instanz zu bearbeiten, da Sie sich gemäß Ihres Motivationsschreibens eher dazu berufen fühlen, hervorragende zweisprachige Texte mit dem besonderen Etwas für sexybutts.de und dirtymothafuckacum-in.com zu verfassen“.

Tja, was soll ich sagen… Ich hasse nun mal Zeitverschwendung.

Just s(h)itting here oder: neulich beim Vorstellungsgespräch

Auf die Technik der modernen Zeiten werden Loblieder gesungen und Engelschöre der Kreativität trompeten den Abzockern, ähm, pardon, Verantwortlichen bei Äppel, Gugel, Meikrosoft und Konsorten kreative Möglichkeiten der humanitären Alltagsverblödung, ähm, schon wieder pardon, Alltagserleichterung in den Arsch, dass die Kontostände eben jener jubilieren mögen; Fortschritt um jeden Preis ist das Motto, every single fucking second. Auch am früher so schön stillen Örtchen.

Nun sei festgestellt, dass ich grundsätzlich ein sehr zurückgezogener Mensch bin; ich mag zwar einen Hang zur ordinären Wortwahl zeigen (oder, wie meine Omma immer sagt: „Also sowas!!“) und daher ein wenig „laut“ erscheinen, aber ich bin wahrlich nicht die erste an oder auf der Rampe, und auch nicht die 15te. Eher die 150igste. Und eben weil ich so gerne unsichtbar bin, bin ich auch dezent in der Erledigung elementarer Körperfunktionen… Soll heißen: wenn ich einen ziehen lasse, kann schon mal der/dem ein oder anderen flau werden, es können Fliegen sterben und meine Mieze sich unter dem Bett verstecken, aber eines geschieht sicher nicht – dass irgendwer was hört. Nö.

Es gibt Situationen im Leben, da sollte man nicht unsichtbar sein, weil es schlicht schlecht fürs Geschäft ist. Dazu zählen etwa Vorstellungsgespräche, auch jene, von denen man schon im Vorhinein weiß, dass es eine Nullnummer wird. Weil ich bei günstiger Sternenkonstellation, harmonischem Biorhythmus und ausreichend Baldrian im Kaffee auch gerne mal guten Willen zeige, schlage ich dann schon mal bei potentiellen Leerläufern auf, egal wie bescheiden die Ausgangslage scheint. Nachdem ich aufgrund geographischer Missinterpretationen der Firmenschilder fünf Minuten zu spät komme, mache ich schon mal Eindruck bei der hauseigenen Keramik, bei der ich höflich anklopfe, um im Anschluss die Türe zu öffnen, meinen Lebenslauf vorzustrecken und meine üblichen Floskeln auszupacken; Klobesen und Waschbecken zeigen sich wenig beeindruckt, gesegnet seien all jene, die sinnerfassend ein Türschild lesen können. Zwei Türen weiter findet sich die Aufschrift „Empfang“, wo mein Auftritt zwar ebenso wenig zu beeindrucken scheint, dafür jedoch mehr Resonanz hervorruft. Ich werde nach kurzer Wartezeit zur Tür neben der Toilette geschickt, unbeschriftet – dahinter versteckt sich die „Kreativchefin“. Mehr Chefin als kreativ erklärt man sich gegenseitig, was man wollen sollte und nicht will, spricht sich viel Glück aus, schüttelt sich die Hände und weiß, dass man sich nie mehr wiedersehen wird.

Das kurzzeitige Verlassen meiner Unsichtbarkeit geht oft mit einem dringenden Drang zum Toilettenbesuch einher, Stresspinkeln at its best. Glücklicherweise habe ich ja bereits herausgefunden, dass sich die Schüssel direkt neben der Chefität befindet. Einmal noch kurz strullern, dann raus und rum und heim. Schon wieder weg, schon wieder unsichtbar. Es wäre so schön gewesen. Wäre. Doch vor einigen Jahren haben findige Ingenieure mit überempfindlichen Nasen WC-Entlüfter ersonnen, die sich nach einem bestimmen Zeitraum – meist etwa drei Sekunden – automatisch einschalten, um den potentiellen Exitus durch akute Darmentleerungsnebenerscheinungen zu verhindern. Nix mehr mit Selbstbestimmung, kein eigener Schalter mehr für den eventuell gewünschten Raumluftaustausch. Dies wiederum weckt bei zurückhaltenden Menschen (MIR!!!!) den Verfolgungswahn alle Welt sei der Meinung, ich scheisse hier mal eben gepflegt ab, komme was wolle, zu Gast bei anderen Leuten kackt es sich umso gemütlicher. Je älter das Entlüftermodell, desto mehr Dezibel im Abgang, sehr entspannend am stillen Örtchen also.

Langer Rede bescheidener Sinn: unsichtbar bleiben wird immer schwieriger in einer Welt, in der man nicht mal mehr Rock, Strümpfe und Schlübber pflichtgemäß handhaben darf, bevor eine Boeing 747 im Hintergrund das individuelle Entleerungsverhalten untermalt. Ohne ausreichende Kenntnisse im Expressstrullern für Angewandte Urinierungskunde werde ich wohl weiterhin mit dem trivialen Drama meiner fehlgeschlagenen Stealthqualitäten im Pinkelbereich leben müssen. Weil es das stille Örtchen nicht mehr gibt und man gar nicht laut genug verkünden kann, dass gerade wieder jemand länger als fünf Sekunden auf der Keramik thront.

Why give a fuck oder: „also das tut jetzt ja mal gar nichts für sie“

Jede braucht ein Hobby und ich natürlich auch; da nähen und andere handwerkliche Dinge für mich mehr praktische als entspannende Aspekte beinhalten, bleibt in meinem Fall nur mehr die brachiale triviale Tragik, um den Fremdschämfaktor in ungeahnt entspannende Höhen zu treiben. Soll heißen: wenn die Gefahr wächst, dass irgendwo ein Schalter fliegt und die ADHS mich nahe an den prokrastinierend-chaotischen Wohnungsputz führt, weiche ich von jeglicher Kopfarbeit zurück, lege die Füßchen hoch, schlürfe einen schönen Rum mit Tee und lese mich ein bisschen durchs Indanädd, bevorzugt englischsprachige Seiten a’la Buzzfeed, Fuckyogossips und Konsorten. Weil, wenn schon entspannender Brainfuck, dann richtig.

Leider habe ich manchmal nicht genug Rum im Tee, um das Fremdschämen so richtig grässlich (und vergesslich) zu gestalten; Daher folgt an dieser Stelle ein kleiner Exkurs mit einem Hauch öffentlichem Fremdschämen im Angang, weil: manches ist sogar mir zu doof – trotzdem kann man drüber schreiben. Grundsätzlich sei mal festgehalten, dass ich und Millionen andere Menschen K(immie) K(ay) wieder mal nackt gesehen haben. An sich nichts neues, und sowas wie Instagram oder Twitpic lädt schließlich auch dazu ein, Fotos online zu stellen, da sollte man den Akteuren im Spiel der digitalen Eitelkeiten nun wirklich keine Vorwürfe machen. Zudem braucht – wie bereits zuvor festgehalten – jede ein Hobby, und das gilt natürlich auch für K(immie) – Nacktfotos sind kostengünstig, leicht zu gestalten und können als nette Erinnerung an schönere Zeiten dienen.

An sich also nicht außergewöhnliches, bis sich weitere, bevorzugt bekleidete, Flittervögel der Glitzerwelt dazu berufen fühlten, K(immies) neueste Hobbykreation zu beurteilen. Aufgrund mangelnder Fachkenntnis galten diese Urteile dann weniger der Ästhetik der Bildgestaltung als mehr der Fragwürdigkeit des Bildmittelpunktes. Von da an etwa hatte mich das Drama der egozentrischen Selbstdarsteller endgültig gefangen, zudem war noch Rum mit Tee übrig. Und noch ein bisschen mehr Entspannung nötig.

Fakt ist: Kritikfähigkeit will gelernt sein, K(immie) K(ay) braucht Nachhilfe. Fakt ist auch: nur weil man nahe des Weltfrauentages den getunten Body ins Netz lädt, heißt das noch lange nicht, dass man gleich eine Agenda verfolgt. Auch wenn irgendein PR-Fuzzi (oder die eigene Mudda, oder dein Alda, oder sonstwer, der/die/das lesen und schreiben kann) das Tage später gerne so drehen würde. K(immie) K(ay) ist von „female empowerment“ so weit entfernt wie ich von ihrem Kontostand. Und nein, natürlich und zum Glück kenne ich die Dame nicht persönlich. Dank diverser Entspannungseinheiten im Laufe der Jahre weiß ich von K(immie), dass sie hervorragend vor der Kamera heiraten kann, vor der Kamera stehen, gehen und praktisch alles sonstige machen kann und seit einiger Zeit neben den Designerhandtaschen auch ein paar Kinder durch die Gegend trägt. Und sich gerne (halb)nackt ins Netz lädt. Alles zusammen völlig legitime, aber keineswegs beeindruckende Tätigkeiten. Als einzige klar erkennbare Agenda scheint das Motto „Catch the camera if you can“ zu gelten, und darin ist K(immie) tatsächlich sehr erfolgreich, das muss man ihr lassen.

Im Land der stark begrenzten Möglichkeiten aber kann man nicht einfach ‘lächeln, nicken, weitergehen’, NEIN, es wird diskutiert, kritisiert und ein feministisch-sozialkritisches Anliegen illusioniert, nur weil ein Schrei nach Aufmerksamkeit vor weißen Badezimmerfliesen etwas zuviel Schrei produziert hat. Und ganz ehrlich, ich kriege in meiner geschützten Kreativ-Werk-Stätte ja wirklich wenig popkulturelles mit – wenn die gute K(immie) in all ihrer Geltungssucht mit einem Rattenschwanz an medialen Diskussionsversuchen sogar auf meinem Bildschirm landet, dann habe ich mich zum einen famos falsch versurft und es wird zum anderen unnötig viel Aufhebens um etwas gemacht, was so trivial ist wie ein nackter Körper an sich. Es grüßt der Wahnsinn aus einem Land, in dem Donald Drumpf Zwergenkönig werden möchte. Und versüßt mir den Feierabend. Auf dass ich nicht immer nur über doofe Jobs und Karrierekacke motzen darf…

 

The Walking Undead oder: Wer mir Zeit stehlen kann, hat noch ausreichend Pulsschlag

Im steten Bemühen um vielseitige und womöglich doch auch noch regelmäßig Einkünfte (jajaja, die „frei-schaffende“ in mir wird ja wohl noch träumen dürfen…) ergeben sich auch Möglichkeiten, für fast lau und mit viel Liebe zum Mitmensch als OrdinationsassistenIn/ArzthelferIn ein wenig Lebenszeit zu verbringen. An sich eine löblich Tätigkeit und zudem angenehm für Menschen mit Hang zum Zeitmanagement, da hier die Arbeitszeiten teils in Stein gemeißelt und in Großdruck festgehalten sind, sodass die Gefahr von zuviel erwünschter zeitlicher Flexibilität praktisch gebannt scheint. Meist.

Ich muss hier leider passen. Meine tiefsitzende Abneigung gegen unnötige interpersonale Kontakte und Kommunikationsakte hat sich von „latent“ zu „tiefsitzend“ während der Ausübung eben jener Tätigkeit einige Jahre zuvor manifestiert.

Ich war mal ein paar Monate bei einer praktischen Ärztin im Frontdienst. Wir haben uns hervorragend verstanden und waren recht zufrieden miteinander; wenn da nicht noch diese anderen Menschen gewesen wären, ich wäre dort heute noch. Wobei man das jetzt bitte nicht falsch verstehen sollte: wenn ich mit den Fingern in die Kreissäge komme und es heftig blutet, dann denke auch ich an einen Gang zum Fachmenschen. Ebenso wenn ich aufgrund starker Rückenschmerzen tagelang an Gollum erinnere und irgendwann von A nach B zu rollen beginne; da denke ich dann: „ach, so ein kleines Schmerzmittelchen wäre vielleicht angebracht.“ Und auch für Operationen am offenen Herzen, Entbindungen und Amputationen reichen der Konsum einiger YouTube-Videos und eine optimistisch-zuversichtliche DIY-Einstellung sicher nur bedingt aus, um tatsächlich erfolgreich zu sein.

Aber man muss armen OrdinationsassistInnEn auch nicht wegen einem eingewachsenen Zehennagel, Phantomschmerzen zur Arbeitsvermeidung oder unaussprechlicher Medikamente die Hölle heiß machen; das lässt sich doch alles auch verträglich gestalten, weil, Eile beim Arzt macht schlechte Laune, vor allem mir. Weil: diverse Launen sind nicht das Problem der Ordinationsassis (also mir).

Niemand vereinbart einen Termin fast alle wollen zur/m Heilenden ihres Herzens: Das kann natürlich so nicht funktionieren. Um diese Tatsache kompetent zu vermitteln, sitzen dann so Menschlein (wie zum Beispiel ich) hinter einer viel zu großen Pudel und versuchen erstmal herauszufinden, wo bei Namensangaben wie „Christopher Paul Peter“ vorne und hinten ist und ob man der älteren Dame mit dem freundlichen Lächeln und dem geistesabwesenden Blick tatsächlich drei Großpackungen Schlafmittel verschreiben darf, oder ob man sich damit Tage später in den Lokalnachrichten wiederfindet. Die mittelalterliche, vollschlanke Dame, die jeden zweiten Tag nach Rezepten für Blutdruck- und Cholesterinsenker für sich und ihren chronisch kranken Göttergatten verlangt und dabei einen zarten Duft aus dem Potpourri von Döner, Pommes und kaltem Rauch verströmt, schuf mit ihrer beständigen Präsenz einen Hauch Routine und fast wäre ich versucht gewesen, ihr einen eigenen Stuhl mit Gravur ins Wartezimmer zu stellen…aber nur fast. „Ältere“ Damen (fast ausschließlich; das Geschlechterverhältnis scheint nach Erreichen des 65. Lebensjahres doch deutlich zu kippen), die einem tütenweise leere Medikamentenschachteln vor die Nase kippen, weil „also das brauch ich mal sicher, junges Fräulein, und dann sehen wir weiter, und zur Frau Doktor möchte ich auch“; höchst wichtige Damen/Herren, ohne die sich die Welt nicht weiterdrehen würde – weil sie sind schließlich Mag./Dr. Gofuckyourselfandgetalifeasshole  -, die es ungeheuerlich finden, dass sie tatsächlich warten müssen, wo sie doch keinen Termin vereinbart aber es trotzdem furchtbar eilig haben; alte Männer mit Hut (jaaaa, genau, es sind zwar wenige, aber die wenigen haben ihr ganz eigenes Klischee….) die nicht 100% überzeugt davon sind, dass ich als junge Frau tatsächlich lesen und schreiben kann und lieber mit jemand „ernstzunehmenden“ über ihre Medikamente sprechen möchten; und all jene Kandidaten, die laut Selbstdiagnose und Dr. Google praktisch mit einem Fuß im Grab stehen, was sich allerdings (noch) nicht mit den Erkenntnissen der behandelnden Ärzte und diversen tatsächlichen Testergebnissen deckt und dementsprechend natürlich SOFORT, nachdrücklich und ausführlich mit MIR besprochen werden muss, weil, bis zur Frau Doktor ist man ja noch nicht durchgedrungen; …

Ne, das mach ich lieber nicht nochmal. Da muss man definitv dafür gemacht sein, für den Umgang mit Menschen sowieso und hier im speziellen nochmal mehr. Dann doch lieber illustre Text- und Korrekturkatastrophen, da darf ich wenigstens alleine und ohne Menschen vor mich hinexistieren. Und laut lachen ohne dass mich jemand komisch ankuckt oder sich zutiefst beleidigt fühlt…

Bullshitbingo Pt. 2 -viel „Wollen“, wenig „Sollen“

Wie ich schon mal erwähnt habe (soweit die Erinnerung nicht trügt), arbeite ich immer mal wieder als Texterin, um meine bescheidenen Talente in den Frondienst des schnöden Mammons zu stellen, weil, nichts ist umsonst, auch nicht die Pflege bescheidener Talente. Besagter schnöder Mammon führt zu öder Tätigkeit, vor allem für so weltfremde Menschen wie mich, die ohne Fernseher am gesellschaftlichen Puls der soziokulturellen Brennpunkte vorbeiexistieren und höchsten Mal von IKEA und H&M so ’ne prä-spammige schicke Werbemail kriegen [und ja, tatsächlich: wer halbwegs schreiben kann, kann damit popkulturelle Ignoranz ebenso halbwegs ausgleichen…]. Trotzdem soll ich Begehren schaffen, wo absolut kein Begehren nötig ist, weil kein Mensch den überteuerten Drecksplunder braucht – bitte gerne, für ausreichend Euro pro Wort verkaufe ich Donald Trump auch Echthaartoupets, damit er sich sein verratztes Meerschweinchen nicht mehr so armselig über das hohle Haupt drapieren muss.

Mal wieder Mode; hatten wa schon, mäßig belustigend. Letztes Mal sollte ich über die Vorzüge „ästhetischer“ Damenunterwäsche schwadronieren – die Recherche zum Thema erwies sich als außerordentlich erleuchtend für jemanden, die ihre Schlübber bei Aldi ersteht (3 Stück für 5 Euro, dafür lachen dir dann Tweetie, der Pink Panther und Betty Boop vom Arsch) und der latente Alltagssexismus des Auftrages an sich rundete die absolut erhellende Texterstellung  gelungen ab. Diesmal war nix mit Alltagssexismus, dafür galt das weitverbreitete Motto der Modewelt („Vorwärts in die Vergangenheit!“) und verlangte eine ausführliche Recherche zum Thema „Jeans sind nie out – aktuelle Trends“, die  geradezu überwältigende Ergebnisse brachte und deren Resultat dem Titel eindeutig widersprach: manches wurde zu Recht geschreddert.

Da Kindheit und Teeniezeit die 80er und 90er ausreichend abdecken, kann ich mich an viele Hässlichkeiten live erinnern und musste manche sogar selbst tragen (nein, Leggings sind immer noch KEINE Hosen); dass also jemand ausgerechnet diese absolut hässlichen und grausam unbequemen Hosen reaktiviert, deren Bund einem bis zum Brustansatz reichen und die jede trächtige Elefantenkuh ästhetischer wirken lassen als ihre(n) Träger(in), hat mich nicht nur zutiefst verstört („sowas von scheissunbequem, die Drecksteile!!!“, ruft es aus dem letzten Jahrhundert; „Das is jetzt wieder hip weil wir noch ein paar Lager voll übrig haben, und außerdem heißt das High-Wa(i)st(e)!!!“, brüllt das Jahr 2016 in die Vergangenheit zurück), sondern auch zutiefst beunruhigt (immerhin werde auch ich irgendwann mal wieder neue Jeans kaufen müssen…ich hoffe, der Trend stirbt schneller als meine Lieblingshosen). Wahrlich faszinierend finde ich es allerdings, dass junge und „moderne“ Frauen, die halb so alt sind wie ich und trotzdem schon rauchen, freiwillig sogenannte „Mom-Jeans“ (Name=Programm) kaufen sollen; klar, damit der Industriewunsch aufgeht, schreiben sich so Honks wie ich die letzten Reste guten Karmas und Ehrgefühl aus dem Verstand, damit dir (ja DIR, dir da draußen mit dem mickrigen Instagram-Account, der noch etwas mehr #YOLO, #WTF, #STYLE und #whatwouldaKartrashianwear vertragen könnte, also kauf, kauf, KAUF!!!!) klar wird, dass „Mom-Jeans der neueste Shit sind, die man lässig mit Shirt und Sneakers zum Bummeln, stylish mit Pumps, Bluse und deiner (obligatorischen) Michael-Kors-Bag (never forget the fucking Michael-Kors-Bag, like, NOBODY got one, biatch) im Office und natürlich schick und sexy mit Stilettos und verführerischem Top im Club kombinieren kann – lass dich nicht vom Namen täuschen, mit Mom-Jeans bestimmst du alleine, was läuft!“…

Überzeugt? Ne? Ne, wär ich auch nicht, das Teil sieht tatsächlich unterirdisch aus, egal an welchem menschlichen Kleiderständer diverse Modemagazine es aufhängen. Aber ab einem gewissen Maß an Informationsüberschuss reagieren Hirn und (Tipp)Hand bei mir dann überreizt und übermütig, was oft zu besonders, ähm, „einzigartiger“ Textkunst führt, die glücklicherweise für drittklassige Lifestyle“blogs“ irgendwo da draußen im WorldWideWeb ausreichen. Und mir ein bisschen Dach überm Kopf und so finanzieren. Und die (ebenso glücklicherweise) mit diesen dermaßen furchtbaren Themen nicht allzu oft bei mir aufkommen, weil ich nach mehr oder weniger erfolgreich absolvierten solcherartigen Aufträgen immer völlig schockiert bin, wieviel unerwünschte Info mein Hirn in sich aufsaugt und nienienienie wieder freigibt – Mom-Jeans forever!!!!

Shit people say ODER: „Also für dich als Frau hätte ich ja einen speziellen Auftrag…“

Manche Menschen verfügen über eine wahre Fülle an Talenten und können dementsprechend mit kreativen, praktischen und sozial kompetenten Eigenschaften ihre Miete und weitere Kosten decken; dazu gehöre ich leider nicht. Neben Eigenständig-Atmen, Aufrecht-Gehen-&-Stehen sowie bei Bedarf mit Offenen-Augen-geradeaus-Schauen zeichnen sich meine Möglichkeiten zur monetären Selbsterhaltung durch bescheidene Überschaubarkeit aus. Zu diesen zählt auch die professionelle Textproduktion jeglicher Art, nicht zuletzt im Onlinebereich. Schnell, anonym, flexible Zeiteinteilung, Heimarbeit – für weltfremde Nachteulen mit beschränkten sozialen Kompetenzen also optimal.

Nun ist es in der professionellen Textproduktion mit leicht werbender Schleimgrütze im Abgang ja grundsätzlich selten so, dass man über die Dinge schreibt, mit denen man sich gut auskennt – die wahre Kunst ist an dieser Stelle schließlich, auch für die hinterletzte Website mit den unattraktivsten und unbekanntesten Produkten informative Texte zu schreiben, die zugleich Begehren schaffen. Ob ein Doppelcarport Premium mit Trapezdachplatte, Feng-Shui-Elemente für die optimal eingeschwungene Deluxe-Hundehütte oder Kosmetikplunder mit der Garantie zur Vollverarsche – auch SIE können sicher nicht ohne! Und so Tippsen wie ich bringen mit ihrem oberflächlichen Kurzzeit-Wissen in einem knackigen, bedarfsorientierten Stil textuell den Schrott unter die Leute, salopp umschrieben.

Wer nun glauben möchte, dass vorurteilsbeladenes Verhalten bezüglich der deutlich erkennbaren Geschlechtszugehörigkeit nur in bestimmten Situationen und Etablissements aufkommt (Stichwort: Kneipe, Bar, Bordell, Straßenstrich), der/die/das irrt. Wo sonst primären Geschlechtsmerkmalen die Schuld für mangelhaftes Benehmen und fehlerhafte Zuschreibungen gegeben wird, zählen in der Auftragsvergabe der Textfließbandproduktion genetisch determinierte Interessensgebiete. Soll bedeuten, dass Aufträge weniger nach tatsächlichem Wissen, sondern mehr gemäß dem ausgesprochen professionellen und erfolgsversprechenden „Also du als Frau kennst dich da ja sicher aus“-Motto vergeben werden. Ein Motto, das nicht nur alle Gender_Beauftragte_N dieseits und jenseits des Hausverstandes zu lauten Schluchzern und leiser Realitätsflucht animiert, sondern auch die Grundlage für einige nette textuelle Absurditäten sein kann.

Nicht nur absurd, sondern beinahe schon abartig pervers sind dann dementsprechend eben jene Auswüchse, die dazu führen, dass eine glücklichst kinderlose Tippse in den fidelsten Ewig-Jungen-Jahren (ja richtig, ich!) plötzlich über die kaum in Worte zu fassenden Vorteile sogenannter Kombikinderwägen schreiben muss, von denen sie natürlich noch nie zuvor gehört hat und hoffentlich auch nie wieder hören wird. In diesen Teilen kann man die zweibeinige nächtliche Ruhestörung in den ersten paar Jahren praktisch vom Geburtskanal bis an die Tore des Kindergartens rollen, im jeweils passenden Multifunktionszu- und umbau natürlich. Eine grandiose Entwicklung im Bereich des Kleinkindtransportgewerbes also, vor allem preislich. Das wertvolle Wissen für die Erstellung von Texten, die unter anderem auch zum Kauf eines Möchtegern-Jaguars für zukünftige Erben und die Hoffnungen dieser Welt motivieren sollen, gewinnt man als völlige Nulpe im Themenbereich übrigens (und wie immer ganz generell) im Netz. Bei der Recherche in diversen Internetforen a’la „Hormone statt Hirn – Mutterschaft und du“ darf man so manche illustren Erkenntnisse zum genannten Thema in Erfahrung bringen, die im Kontext der halbwegs informativen Texterstellung tatsächlich enorm hilfreich sind. Schließlich möchte man ja niemandem den falschen Stoßdämpfer für den Fahrrad-Anbausatz des Schnulli Extreme 3000 Deluxe Pro aufgrund mangelnder Fachkompetenz andrehen. Das könnte bei längeren Ausflügen nämlich zu einer asymmetrischen Verteilung des Windelinhalts führen, was wiederum wenig erfreulich für Windelbefüller und Windelentleerer ist – meinte damals im Forum zumindest „CheyenneproudmommyJustin“. Und die klingt so, also ob sie wüsste, worüber sie schreibt. Vor allem im Gegensatz zu mir. Auch diverse Sicherheits- und Reinigungshinweise übernehme ich natürlich dankbarst – in der KleinkindKotzKunde bin ich schließlich nicht bewandert und ob die abnehmbare Babyschale problemlos in den Porsche Cayenne passt oder man sich dafür doch ein anderes Hauptberufliche-Gattin-Gefährt zulegen muss, damit einem der Airbag beim Kuscheln mit der Säule im Parkhaus nicht den Nachwuchs an die Heckscheibe pfeffert, tangiert mich abseits beruflicher Notwendigkeiten noch nicht mal peripher. Aber das macht auch nichts, denn immerhin sollen so wahnwitzige Textmaschinen wie ich den Plunder ja nur halbwegs ordentlich bewerben und nicht direkt verkaufen, zum Glück. Denn ich weiß nicht, was ich da tue…oder wie meine Omama sagen würde: Rebel without a cause

Go cry me a fucking river oder wenn einen der Frust frisst…

Neben allseits „beliebten“ Ausflügen in diese Welt, die man denn da „Alltags/Arbeitswelt“ nennen mag, sowie diversen weiteren Dingen, die man so allgemein unter „Leben“ versteht, arbeite ich ja auch noch rein theoretisch an so etwas wie einer Dissertation. Klingt gut. Macht sich auch gut, nicht zuletzt in der Familie und bei den guten alten Frenemies, die einem ohnehin schon immer gehobene Arroganz im Endstadium unterstellt haben. Und ist mit einer der Hauptgründe, um von der „Wir melden uns, wenn sich etwas ergibt (weil du armes Schwein ja an sich keine tatsächliche Ausbildung hast und nun auch noch im 300sten Semester eines Studiums steckst, für das wir dich dann erst recht wieder am Arbeitsamt wiedertreffen – HaHa!!!)“-Schublade in die „Wir melden uns, wenn sich etwas ergibt (weil what the fuck will diese Akademikertrulla eigentlich hier, die hat doch schon einen Abschluss und dann irgendwann noch ’nen Doktor, warum will die hier bei mir im Laden für lau Pullis falten, wenn die fett Kohle machen kann…?)“-Schublade zu rutschen. Außer man kennt wen der wen kennt der wen kennt und so weiter, das hatten wir ja schon (Stichwort Neddwörking für Vollpfosten), um dann einen mäßig erbärmlichen Nebenjob für Miete und ein wenig Sicherheitsgefühl fürs Seelchen ausüben zu dürfen, ausnahmsweise, hin und wieder.

Nun könnte man zum einen den ewigen Tanz um einen netten kleinen Nebenjob in nicht mehr den allerjüngsten Studentenjahren ja vereinfachen, indem man sich voll und ganz in „die Sache“ hängt und zusieht, dass man „die Sache“ zu einem (guten) Ende bringt. Weil, können könnte man ja viel wenn der Tag ausreichend fidele Stunden hat. Man kann aber auch einfach nur ein wenig gefrustet dasitzen und sich scheissdumm fühlen, weil man eben manchmal richtig scheissdumm ist. Nicht zuletzt im Vergleich zu all diesen überorganisierten akadamisch-demischen Kolleg_Innen, deren strategisches Denken und Handeln um den Erhalt einer mehr oder weniger ordentlichen Anstellung unter meist mehr als weniger prekären Umständen kreist, egal zu welchem Preis. Und da ist jetzt nur von den wirklich guten Zukunftshoffnungen die Rede, Leuten von immenser Bildung, mit Eloquenz, Talent zur Diplomatie und einem Hauch Ellbogen im Abgang. Über all das, was darunter folgt, Mittelmaß mit Freude an der Forschung und Interesse an der Arbeit im wissenschaftlichen Bereich, aber womöglich leider einem ungesunden und wenig förderlichen Interesse an einem eigenen, selbstbestimmten Leben oder – Oh Weh, Oh Graus – mit zuviel Empathievermögen und zuwenig Ellbogen, tja, über all das wollen wir jetzt mal lieber nicht reden. Frauen können in einigen Bereichen noch auf eine Quotenstelle hoffen, bei Männern wird’s dann schon eng. Aber was soll’s, eine neue Elite wird gezüchtet, Wissen jeglicher Art aus der intellektuellen Retorte, möglichst allgemein verträglich und bitte gut für’s Institut und die Universität, dann darf man auch ein wenig Mensch-ärgere-dich-nicht mit den Post-Docs aus dem Sprachlabor spielen. Irgendwer muss schließlich „Spanisch für Anfänger, Modul 1“ oder „Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten: Selbstverliebte Arschlöcher_Innen richtig zitieren“ unterrichten.

Also einfach mal eine Runde Scheissdumm fühlen, da spielt man in der oberen Liga mit; weil, selbst wenn man den Über-Drüber-Titel eher aus privat(wirtschaftlich)en Gründen anstrebt (Stichwort selbstbestimmt Leben für Soziophobiker), mit den ganzen wahnsinnigen Selbstdarstellern aus der Wissenschaft muss man sich ja trotzdem rumschlagen. Und darf dabei leider nicht einmal richtig zuschlagen. Und bemerkt dann immer mal wieder, dass man eigentlich auch einfach nur hübsch im Hörsaal aussieht, weil man von dem Bullshit am Podium gerade mal die Hälfte versteht – wobei einen das Gesamte am Arsch interessiert, was womöglich seinen Teil zum Verständnisproblem beitragen mag, aber wir wollen hier keine Ausreden suchen und Hintertürchen zimmern, wenn man sich einfach gefrustet scheissdumm fühlen kann, das macht an der Stelle mehr Sinn. Und man sehnt sich nach jener unbekannten, fernen Vergangenheit, als man einfach im stillen Kämmerchen an seiner Dissertation feilen durfte, ohne dass man zur Kenntnis nehmen musste, dass es da draußen auch noch eine Welt gibt. Danke Bologna-Prozess, du ScheißDrecksVerfickteAngloAmerikanischenDevotindenArschkriech-Reform.

Irgendwann hört das mit dem einfach mal ein wenig rumsitzen und scheissdumm fühlen vielleicht auch wieder auf – ich bin mir noch nicht ganz sicher, ich warte seit etwa zwei Monaten drauf. Alternativ würde ich ja sonst zu einer Karriere im Bereich „Perlentauchen in der Südsee“ raten, wird vor allem in der Literatur wärmstens empfohlen (bitte keine Fragen nach Quellen, wie bereits erwähnt bin ich derzeit rumsitzend scheissdumm und behaupte daher einfach vor mich hin) und weist wahre Aussteiger-Qualitäten auf. Immerhin durfte ich aber in all der Diss-Zeit (und hat sich wirklich noch nie jemand gefragt, ob diese Abkürzung womöglich von „Dissen“ abgeleitet wird? Weil, sonst könnte es doch auch „Tation“ heißen oder so… Ja gut, okay, ich sitze schon eine ganze Weile gefrustet rum, da wabert dann der Wahnsinn verstärkt…) lernen, dass man die Umstände zusätzlich angestrebter Bildung NIE unterschätzen und die eigenen zwischenmenschlichen, kommunikativen und durchaus auch intellektuellen Fähigkeiten NIE überschätzen sollte. Dann hat man wahrscheinlich durchwegs noch mehr Spaß und überhaupt keinen FriFraFrust…