Revisiting new insights oder: wer suchet, die findet, irgendwann mal irgendwas

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Ich bin eine Frau der Extreme … manchmal, wenn der Biorhytmus es erlaubt, die Extreme nicht zu viel interpersonalen Außenweltkontakt erfordern und die ADHS aufs „D“ scheisst und mich mal machen lässt –  dann bin ich nicht zu bremsen. Ähnlich wie ich mich beruflich und auch akademisch in ein Thema verbeißen und es zu Tode recherchieren kann, bis es für monetäre oder hochschulische professionelle Zusammenhänge vertextet und verbreitet werden kann, sticht mich auch privat immer mal wieder der vielgepriesene Hafer, wenn ich dringend Material für prokrastinierende Ablenkung suche, die ich mir zu dem Zeitpunkt meist nicht leisten kann. Während der Erledigung eines recht umfassenden Textauftrages in den letzten Monaten habe ich nun also extrem minimalisiert. Was auch richtig Spaß gemacht hat und noch machen wird, weil als (bereits erwähntes) Nachkriegsenkelkind das Potential zur Güterreduktion auf vielen Ebenen langfristig erhalten bleibt; „was aufbewahren für schlechte Zeiten“ ist nicht so leicht abzulegen, wie es ein schickes Lifestylebuch erhoffen lässt. 

Gemäß den Inhalten in dem einige Einträge zuvor erwähnten Buch bin ich zudem in die Welt der sogenannten Fair Fashion/Slow Fashion eingetaucht und durfte auch in diesem Bereich viel lernen, erkennen und erfahren. Abseits der tieferen Beschäftigung mit neuen Erkenntnisbereichen war und ist in diesem Zusammenhang gerade auch Instagrähm mit seinen bunten Bildern sehr nützlich, außerdem muss man sich am Klo ja auch irgendwie die Zeit vertreiben. Instagrähm hat mit seinen pädagogischen Ambitionen auch ganz maßgeblich die Herausbildung des Beruf(ung)sstandes der „Influencer“ gefördert (Gesundheit, danke, und nein, Influenza ist was anderes). Besagte Influencer tragen je nach Gesinnungs- und Neigungsgruppe durchaus auch slow/fair/vegan – ansehnlich, viel und häufig, unabhängig davon, auf welchem Klo man das ganze durchscrollt. Was ich auch ganz wunderbar und ästhetisch ansprechend finde, allerdings – wie ich nach längerer Beobachtung feststellen durfte – gerade mal im Ansatz den Kern meiner Sache trifft.
Wenn ich kann, rette ich gerne die Welt – an sich will und muss ich aber erst mal meine eigene ordnen, ausmisten und befreien: von Nippes aus dem letzten Jahrtausend, der nur noch aufgrund meines schlechten Gewissens bei uns im Regal staubfangen darf; von Klamotten, die seit vier Umzügen, drei Hochzeiten und zwei Todesfällen für Zeiten aufbewahrt werden, die nie kommen; von angeschlagenen Müslischüsseln, die ein Geschenk der ehemaligen besten Freundin der Cousine meiner Großmutter waren und deshalb einen GANZ BESONDEREN sentimentalen Wert haben. Darum geht’s.
Weniger darum, ob ich bereit bin, 100 Euro für einen Fummel auszugeben, den ich mir auch für 20 Euro nicht kaufen würde, weil ich zu wenig Fummelfrau bin, um dafür überhaupt (viel) Geld hinzulegen. Funktional, zeitlos, Ausverkauf – kein HipHipsterHurra. Auch schon vor meinem Erkenntniszugewinn war „fast“ bei mir oft „slow“, weil ich generell zu Sachen greife, die man länger als zwei Saisonen tragen kann und zu ignorant bin, um überall dabei zu sein (Highlights des inneren Ignoranzscheißhaufens bis jetzt: Hochwasser-Momjeans, Cut-Out-Klamotte, Würgehalsband). Was nicht heißt, dass mir die unsauberen Herstellungsbedingungen unklar und egal sind; ein „mehr“ von was anderem als bisher ist aber eben auch nicht das, was für mich persönlich in diesem ganz und gar nicht gehypten Minimalismus-Lifestyle drinsteckt.
Dank all der umfassenden Recherchen kann ich es mir in vielen Bereichen in Zukunft besser aussuchen, wie ich was konsumiere; der Held meines Herzens und ich sind immer noch schwer begeistert von den Trinkflaschen und sonstigen öko-umwelt-herstellerfreundlichen Behältnissen, die dabei helfen, zumindest ein wenig Plastikwahnsinn zu verhindern; umweltfreundlich produzierte und menschenfreundlich verarbeitete Basics sind mindestens ebenso angenehm zu tragen wie Altbekanntes und im Sale zu beinahe ebenso guten Sparefrohpreisen erhältlich. Aber das eigentliche Umdenken findet bei mir in der Masse und tatsächlich nicht unbedingt immer in der Klasse statt. Für mich stellt sich bei allen potentiellen Neuerwerbungen – ob Klamotte, Hausrat oder sonstiger Klimbim – zuerst mal die Frage, ob ich etwas in der Art auch sicher noch nicht habe, ob ich es längerfristig nutzen kann, ob ich es sonst sinnvoll ändern, umfunktionieren oder weitergeben kann und ob mich nicht nur ein eventuell niedriger Preis verleitet. Es dauert dann schon mal zwischen zehn Minuten und drei Tagen, bis ich da mit mir selbst ins Reine gekommen bin. Bis dahin ist dann das Teil entweder weg, der Preis nicht mehr so gut oder ich nicht mehr interessiert. Nicht egal, aber durchaus unabhängig davon, wo es wie herkommt und was die Instagrähmer_innen dazu sagen.

Weil: es gibt viele Möglichkeiten, Zeit und Lebensenergie zu verschwenden – und ich kenne fast alle. Fast.

Out with the old, in with the new ODER: die ersten Fair-Fashion-Teile sind da…

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Dezent und umweltverträglicher weil ohne Plastik verpackt: neue Teile für neue Wege.

„Geduld ist die Tugend des Erhabenen“, habe ich als Kellnerin immer jenen wunderbaren Lieblingsgästen erklärt, die der unglaublich charmanten und überhaupt nicht großkotzigen Meinung waren, sie hätten sich in einem übervollen Lokal als einzige meine absolute und ungeteilte logistische Aufmerksamkeit verdient (aber das ist eine andere Geschichte, Stichwort: Dirty Deeds). Dank einprägsamer Erfahrungen bin ich dementsprechen als Gästin (oder Kundin) auch geduldig, aber auch nur in diesen Kontexten. In allen anderen Lebens- und Alltagsbereichen, deren Erledigung und Organisation großteils nur von mir selbst abhängt, erledige ich am liebsten alles unmittelbar sofort insgesamt JETZT, auch wenn das gar nicht immer möglich ist. Und eigentlich selten möglich ist, aber egal.
Erhabenheit wird total überbewertet.

Seitdem mein Schrankinhalt ein wenig geschrumpft ist und ich mich endlich mal ausführlich mit Nachhaltigkeit, Fair-Fashion und Low/Zero-Waste beschäftige, habe ich also beschlossen, dass die wenigeren, ausgewählten Teile, die da denn in Zukunft irgendwann mal einziehen dürfen, nicht nur ästhetischen, sondern auch fairen und nachhaltigen Kriterien entsprechen sollen. Weil ich mit dieser wichtigen Horizonterweiterung aber auch irgendwie etwas spät dran bin, habe ich natürlich demtentsprechend viel angesammelt, was die bei Hennesundehschonwissen (&Co.) eigentlich auch gerne wieder zurückhaben dürfen (aber natürlich nicht wollen, unter anderem auch, weil vieles schon länger lagert, der trendaffine Fast-Fashion-Markt mit sparefrohigen Antitrendlern wie mir und meinen alten Teilen aber eher weniger anzufangen weiß). Mit meiner Flohmarktware habe ich dabei noch weniger neuerkannte ideologische Probleme als mit ein paar Lieblingsteilen, die ich immer noch gerne mag, weil es eben Lieblingsteile sind, auch wenn ich dort, wo sie herkommen, nicht mehr nach solchigen suchen werde. Diese ganz besondere Art von Lieblingsteilen, von denen ich hier spreche, ist zahlenmäßig übrigens sehr überschaubar…weshalb ich immer noch finde, dass trotz Ausräumen zu viel Klamotte im Schrank ist. Aber manchmal braucht das Rumräumen eben auch mehrere Etappen, bis man am Ziel ist – und ich bin ohnehin berüchtigt für meine schnörkelschönen Ab- und Umwege…

Am liebsten würde ich ja – mit Blick auf meine zuvor bereits erwähnte Ungeduld – den gesamten Klamottenbestand (stark reduziert) austauschen, sodass ich fortan in einer fairen, feinen (Traum)Welt leben darf. [Absolut liebste Lieblingsteile ausgenommen – gekauft hab ich sie ja ohnehin schon, da kann ich sie dann auch gleich bis zum bitteren Ende auftragen…] Einen Rundum-Austausch kann ich mir aber natürlich nicht mal ansatzweise leisten, deshalb muss ich mich in Geduld üben und darf in kleinen Schritten in Zukunft neues (und vielleicht auch schon getragenes „neues“) bei mir zuhause begrüßen. Is ja genau meines, das mit der Geduld und so…

Die ersten schwarzen und weißen Basic-Shirts sind aber gerade eingezogen. Und nein, ich habe nicht vor, nochmal einen Riesenhaufen weißer T-Shirts anzusammeln. Aber zwei, drei für die unkreativen und farblosen Safeplayer wie mich darf es dann auch sein. Weil ich nachhaltig und fair ja gerne und vor allem mit minimalistisch verbinden möchte, und da sind solche (Nicht-)Farben eine gute Wahl, weil die zu allem und auch miteinandern funktionieren, und man dementsprechend weniger braucht [jaaaa, theoretisch zumindest, jenseits der großelterlich-wohlmeinenden „Kann man alles nochmal brauchen, wird alles aufbewahrt“-Haltung]. Und im Sinne meiner Anfängerinterpretation von halbwegs nachhaltigem Minimalismus werden dementsprechend ein paar Fast-Fashion-Fummel jetzt in ihr nächstes Leben als Putzlappen transzendieren…damit mehr Platz ist und (so wäre das hehre Ziel) auch bleibt. Und anstelle der transzendentalen Wischmoppübergänger zumindest nix schnelles mehr nachwächst.

First steps oder: nichts neues, aber neuerlich nennenswert?

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Yoghurtglas und Teebecher begleiten mich schon recht lange, die Trinkflasche ist neu – in kleinen (leistbaren) Schritten wird neues und altes Wissen umgesetzt…

Hier geht es gerade in eine neue Richtung, die bekannte Inhalte ergänzt; das passiert nicht zuletzt, weil mein unerträgliches Mitteilungsbedürfnis ja irgendwo angebracht werden muss. Außerdem kann man grundsätzlich vieles mit Humor nehmen, wenn man mag, vor allem auch sich selbst auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen und Einblicken. Und nachdem ich ja eigentlich gerade einen größeren Auftrag als Schreiberlingin zu bearbeiten HÄTTE, Einzelhandel und korrigierende Nebentätigkeit ebenso aus ihren Ecken brüllen und dann noch zwei Konferenz-Proposals be(er?!)arbeitet werden wollen/sollten, bleibt einem doch gar keine andere Möglichkeit, als mal eben schnell neue Leidenschaften für wichtige Dinge zu entwickeln, die dann unglaublich dringend schriftlich festgehalten werden müssen. Weniger ist mehr, lautet schließlich die neue Devise, also soll man sich nicht von zu vielem stressen lassen…

Jede/r von uns kennt das, wenn altbekannte Dinge plötzlich Thema werden oder man, besser gesagt, erkennen darf, dass jene Dinge, die für einen selbst selbstverständlich sind, jemand anderem eher fremd sind. Das soll hier jetzt weder in die kulturrelativistische Who-gives-a-fuck-Richtung noch in die Großmuddi-hat-immer-gesagt-Ecke abdriften, jeder lebt nach anderen Werten und Vorstellungen und das muss auch dann Platz haben, wenn es meiner eigenen Position widerspricht, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Aber eben weil wir alle unterschiedliche Dinge wissen, kennen und beachten, scheint uns unterschiedliches erwähnenswert oder nicht.

Unabhängig von neuen Zugängen zur minimalistisch-nachhaltigen Lebensweise war mir schon recht lange klar, dass Plastik plöd ist, salopp umschrieben. Schon meine Mutter, ihres Zeichens (und laut der ewig-wiederkehrenden Legendenbildung meiner Großmuddi) ein „zart besaitetes Siebenmonatskind“, hat lieber drei Liter Milch oder Mineralwasser in der Glasflasche durch die Gegend geschleppt, als die gleiche Menge im Tetrapack bzw. in Plastikflaschen zu erwerben. Irgendwann gab es die Möglichkeit im herkömmlichen Lebensmittelhandel zwar nicht bzw. kaum mehr, aber bis es soweit war, hat Muddi fleißig mit Milch- und Sodaflaschen trainiert. Großmuddi hingegen hält die Erfindung von Plastik nach wie vor für ein Geschenk des Himmels (da sie nicht gläubig ist, beißt sich hier die argumentative Logikkatze ziemlich in den Schwanz, aber was soll’s), deshalb gab’s die Jausenboxen und Trinkflaschen immer aus Plastik, aber immerhin nicht Einweg. Tupperware & Co. für alle nur erdenklichen Gelegenheiten, mit meiner Großmuddi als wandelndem Inbegriff von erfolgreich gelebtem Direktvertrieb; einzig die Bananenboxen hat sie nie erworben, weil sie der Meinung war, dass Bananen in ihrer individuellen Endproduktkrümmung zu wenig durchschnittliche Einheitlichkeit aufweisen, als dass sich der Erwerb eines eigenartig geformten Tupperteils langfristig rechnen würde. Der Umstand, dass eine Banane an sich ja schon „verpackt“ beim Verbraucher ankommt und daher nicht unbedingt noch ein Plastikmäntelchen benötigt, war bei der Entscheidungsfindung bezüglich der standhaften Kaufverweigerung übrigens kein Argument.

Es war mir also irgendwie „immer schon“ klar, dass man Getränkeflaschen und Jausenboxen mit Mehrwert verwendet, anstatt das Brötchen zu folieren und sich ständig Einwegflaschen zu kaufen. Einzig das mit dem Mehrwertplastik hatte ich so nicht am Schirm. Und so ich stehe nun vor einer richtig fetten Schublade voll Tupperware und den entsprechenden Fakes (manchmal stand Großmuddi der Sinn nach einem preisgünstigeren Abenteuer aus der No-Name-Ecke), die sich aufgrund ihrer schier beeindruckenden Zahl innerhalb von nur einer Generation auf die gesamte Familie und von dort aus weiter auf diverse ExpartnerInnen, liebevoll ausgewählte Ex-WGs, unzählige – bei Parties/Treffen/Grillfeiern – zwangsbeglückte FreundInnen sowie ein paar Nachbarn verteilt und vererbt haben, Großmuddi sei Dank. Die kann ich natürlich nicht alle weggeben, und wegwerfen ohnehin nicht, was aber auch nicht nötig ist, weil das Zeug mich und die kommenden zehn Generationen mal locker taufrisch übersteht. Außerdem gilt für mich als Enkelkind aus dem Tupperwarezoo immer noch, dass es immerhin Mehrwert ist, wenn auch mit viel mehr, als einem eigentlich lieb sein mag…
Aber mein Yoghurt kommt trotzdem lieber ins Glas, ist seit Jahren dank Bügelverschluss die einzige (zumindest von mir erprobte) Weise, wie es auch IM Behältnis bleibt und nicht liebevoll Bekanntschaft mit dem Inhalt meiner Tasche schließt. Und meine erste Flasche aus Edelstahl habe ich vor kurzem auch endlich erstanden, weil irgendwann mal Schluss mit vermeintlich mehrwertigem Kunststoff sein soll und ich für Glasflaschen leider viel zu ungeschickt bin (meine Mutter hat mir vor Jahren eine wunderschöne und sehr praktische Flasche von Soulbottles geschenkt, die natürlich fast sofort üble Kollateralschäden beim Versuch des erfolgreichen Wassertransports ungeachtet der Gefahren alltäglicher Gravitationsauswirkungen auf meine Motorik davongetragen hat, leider…sie steht aber immer noch in meiner Küche, den Sprung am Flaschenhals habe ich mit Tesa abgeklebt und wenn ich einen guten Tag habe und optimistisch bin, dass ich heute meine Extremitäten und die allgemeine Köperkoordination im Griff habe, dann verwende ich sie zuhause). 

Dss mit der Edelstahlflasche erzähle ich Großmuddi aber nicht, die hält Trinkflaschen und Jausendosen aus Nicht-Plastik wieder für so ’nen neumodischen Dreck…

I’m a little late to the party ODER: Besser spät als nie…

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Ich bin dank einer ausgelebten Kindheit bei meinen Großeltern ja ein ambitioniertes Nachkriegsenkelkind: geprägt von der großelterlichen Ansicht, dass man alles immer mal wieder für irgendwas brauchen könnte und es deshalb aufgehoben wird, gepaart mit der Grundhaltung sozialisitischer Arbeiterfamilien, dass man alles immer mal wieder für irgendwas brauchen könnte, und es deshalb aufgehoben wird, weil man ja nie weiß, ob mal richtig schlechte Zeiten kommen, kann man nur dankbar sein, dass meine Familie damals nur alle paar Jahrzehnte übersiedelt ist. Es hätte uns viele Freundschaften und zahlreiche Bandscheiben gekostet, die Tonnen an „Lass es uns mal lieber aufbewahren, man weiß ja nie“-Krempel durch die Weltgeschichte zu transportieren. Das mache Jahrzehnte später lieber ich als Erwachsene beim gefühlten 20. Umzug fünf Jahren. Plunder von einem Keller direkt in den nächsten verfrachten – schreien könnte ich vor lauter Idiotie, und hab ich auch schon oft genug …

An sich war ich immer schon ein reduzierter Mensch: ich kann Dekoplunder nicht wirklich ausstehen, weil man Platz besser nutzen kann, als unnützes Zeugs draufzustellen (eine durchaus stilsichere Mutter und Jahre in WGs und Kleinwohnungen haben mich abseits des großerlterlichen Einflusses gut geschult). Zudem fand ich „schon immer“, dass zu viel – egal von was – eigentlich wenig Sinn macht, weil man ohnehin immer nur eine begrenzte Zahl an Sachen benutzen mag und kann. Nur der Sicherheitsgedanke von anno Schnee, eingangs liebevoll umschrieben, saß mir lange im Genick: „wenn du das jetzt weggibst/wegwirfst/rituell verbrennst/dematerialisiert, dann fehlt es dir womöglich irgendwann später mal, wenn es dir schlechter geht und du es dringend brauchen würdest…“. Also: aufbehalten, wegpacken, mitschleifen, genervt von der eigenen Angst vorm Leben sein.

Und dann kam Lina Jachmann, zum Glück. Ich bin ein paarmal um ihr Einfach leben rumgeschlichen, weil ich Bücher meist gebraucht kaufe (ist günstiger und hat Mehrwert, sozusagen), und hab’s dann doch eingepackt … zum Glück. In einem Stück durchgelesen, hatte ich den Kopf sofort voller Ideen bezüglich materieller Erleichterung und geistiger Weiterbildung, auch wenn letzteres dem Grundsatz eines ambitioniert gelebten Minimalismus wohl erstmal ordentlich widerspricht (Stichwort: Lesen bildet, ich brauche noch mehr Bücher zum Thema Minimalismus, Slow-Fashion, Nachhaltigkeit, Ausmisten … wobei: Bücher gehen immer, zumindest bei mir!). Außerdem habe ich dann auch gleich mal den Inhalt meines Kleiderschranks ordentlich reduziert, weil, himmelarschnochmal, wie viele einfache weiße T-Shirts kann eine Frau besitzen, die nicht (mehr) als Kellnerin und noch nie und wohl auch niemals als Pflegekraft (ge)arbeitet (hat)? Wenn sich meine Lebenslage jemals so verschlechtert, dass mein blankes Überleben nur von der Anzahl an ’sicherheitshalber mal‘ aufbewahrten weißen T-Shirts abhängt, würde ich trotzdem noch 100 werden, locker. Tabula rasa war in dem Fall auch nur auf Ausmisten beschränkt, denn dass in diesem Schrank bis jetzt mit ganz wenigen Ausnahmen praktisch ausschließlich (schick und geschmackvoll umschrieben) „Fast Fashion“ oder auch (direkt und deutlich umschrieben) „menschen- und umweltverachtender Kackdreck“ rumfliegt, war mir schon klar. Die Menge an weißen T-Shirts hätte ich mir sonst gar nicht leisten können, zu keinem Zeitpunkt in diesem Leben und auch nicht über die Jahre verteilt …

Ich hab immer noch zu viel Klamotte. Auch immer noch zu viele weiße Shirts, aber das wird schon noch. Das innere Nachkriegsenkelkind lässt eben nicht so leicht locker, da geht es dann eben auch mal in kleinen Schritten voran. Aber ansonsten fliegt der Plunder hier raus, dass es nur so rauscht. Der Held meines Herzens, an sich mit Ausnahme seiner Bücherregale ein tatsächlicher Minimalist erster Güte, gibt sich beeindruckt und scheint auch ein kleinwenig begeistert ob der stetig zunehmenden Luftigkeit unserer geteilten Traumwohnstätte. Ob seine Begeisterung und Unterstützung sich auch noch halten, wenn ich das erste Mal Waschmittel selbstgemacht habe und und die Wäsche samt Waschmaschine und Wohnung nach zu heiß gewaschenem Kastanienmatsch riechen, wird sich zeigen. Wie sagt er immer: „Leben am Limit“ … Genau!

Man lernt immer dazu, und ich ganz besonders – weil es genug zum Lernen gibt, even if I’m a little late to the party. Es bleibt spannend.