Same Shit, different brand ODER: Geldverbrennung deluxe

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Aus der illustren „Also für dich als Frau hätte ich da ja wieder mal einen Auftrag“-Rubrik a.k.a. „Alltagssexismus freiberuflich gelebt“ darf ich zur Abwechslung mal über Eindrücke berichten, die mich immer wieder zutiefst verwundern (werden): die Macht der Kosmetik und der Schmonzes, der veranstaltet wird, um diese Macht zu erhalten.
Gemäß dem Grundprinzip des Anti-Antiklischees interessiere ich mich selbst am Arsch für Kosmetik, im Zweifelsfall sogar wortwörtlich, wenn es um Bodylotion geht. Weder kann ich das Bedürfnis nachvollziehen, sich das Gesicht zuzukleistern, auf dass die Poren ihren Lebenswillen verlieren (Stichwort: Kriegsbemalung) noch verstehe ich die Ideologie von „Teurer ist besser, und Chanel geht immer“, wenn es darum geht, ein Organ, dass vor allem auch von innen mit Feuchtigkeit versorgt werden will, von außen mit duftiger Chemieerdölpampe vollzuschmieren, damit der Furchenschnitt nicht zu tief fällt. Wir sind alle eitel, jede und jeder auf ihre und seine Weise, und da bin ich keine Ausnahme; dass dabei die Erhaltung der Außenfassade für manche jede Farbe, Menge und Konsistenz sowie jeden Preis haben darf, ist für mich nur immer wieder erstaunlich.
Dabei ist mir durchaus bewusst, dass wir immer noch in einer Zeit leben, in der dafür gesorgt wird, dass sich die Mehrheit der Frauen besser um ihre Fresse als um das, was hinter und unter der Schminkmaske liegt, kümmern, damit sie nur ja ewig jung, begehrenswert und begattenswert bleiben (und ja, den inhärenten patriarchalen Sexismus dieser Wertevermittlung lasse ich jetzt einfach ganz frustriert so stehen. Heute geht’s um meine Verwunderung in Bezug auf Kosmetik. Meine Frustration in Bezug auf den genannten Sexismus, der diese Verwunderung meinereiner überhaupt erst möglich macht, kann ich nicht schriftlich in Worte fassen … dafür hat mich meine Oma zu gut erzogen). Genau deshalb kann ich diverse Spritzenattacken und nachhaltige Einschnitte auch gut verstehen – das ist ehrliche Handarbeit bei der man weiß, was man hat. Zudem genießen die zugespritzten-beschnippelten Madamsen einen hohen (Wieder)Erkennungswert, weil sie eh alle gleich aussehen – was womöglich nicht beabsichtigt sein mag, für all jene, die gerne in der Masse untergehen, aber ein angenehmer Nebeneffekt ist. Sind in dem Kontext vielleicht nur wenige, aber das ist dann auch schon egal. Wenn konturenlose straffe Frische dank partieller Gesichtslähmung beim Kaffeekränzchen vorherrscht, dann demonstriert das kollektive Schönheitsempfinden eine enge Verbindung zu Onkel Botox. Alles klar (ersichtlich), alles völlig in Ordnung, why not?

Warum man aber Versuchstiere, (Umwelt-)Schäden und den eigenen Hausverstand völlig ignoriert, wenn es darum geht, die Fingerchen in überteuerte Tiegelchen zu stecken, um sich Honig, Gold, Plankton, Hyaluron, Collagen und allen anderen möglichen Plunder ins Gesicht zu schmieren, ist mir ein Rätsel – auch wenn ich mehrmals meinen textlichen Senf dazu geben durfte bzw. darf. Und weil Trends eben Trends ablösen und irgendeiner grad immer die (geld)geilere Idee hat, gibt es da auch immer mal wieder „was zu tun“. Wie vor einiger Zeit, als diverse Mittelchen gehyped wurden, deren hauptsächlich beworbener „Wunderwirkstoff“ beim Kontakt im natürlichen Habitat desselben eher Würgereiz und Ekelattacken als begeisterte Zahlungsbereitschaft provozieren würde: Meeresschlonz.
Und bitte nicht falsch verstehen, Algen und Plankton sind unglaublich wichtig fürs Ökosystem und deshalb auf keinen Fall als wertlos und entbehrlich anzusehen. Viele Dinge/Systeme/Lebenwesen sind in ihren jeweiligen Kontexten einfach nur wunderbar für unseren Planeten; deshalb muss man sie sich aber nicht zwangsläufig auch gleich irgenwohin schmieren. Und wenn man das schon machen möchte, dann legen eben gerade jene ach so enthusiastischen Elegien der Marketingabteilungen die Vermutung nahe, man sollte dies wenigstens so naturbelassen wie möglich machen, damit die ach so wertvollen Mineralien, Wirkstoffe und whatthefuckelse auch wirklich ungefiltert da landen, wo man sie gerne haben möchte. Das riecht dann halt nicht so lecker. Die Viskosität mag in diesem Zusammenhang auch eher bescheiden sein. Und ob man sich tatsächlich noch erfolgreich suggerieren kann, stinkiger Schlonz sei auch dann noch SUPER fürs Hautbild, wenn er nicht in diesen diversen schicken Verpackungen mit den tollen Markennamen – ja genau die, die dieses tolle, ewig-jugendliche Lebensgefühl verkaufen – geliefert wird, sei jetzt auch mal dahingestellt.

Es bleiben eben Slogans. Ganz tolle Kreativmenschen werden kräftig dafür entlöhnt, dass sie Begehren schaffen, wo man nicht glauben mag, dass ein vernünftiger Mensch irgendetwas begehren möchte. Vom Null-Prozent-Fett-George-Foreman-Grill über den Kärcher Dampfreiniger für den Hamsterkäfig bis zur Anti-Aging-Algenaugenmaske mit Pfirsich-Banane-Duft wird begehrt und gekauft, dass sich die Kreditkartenfirmen die Hände reiben. Wenige verdienen viel, weil viele viel zahlen.
Ich habe (wahrscheinlich/scheinbar?) noch ein paar gute Jahre vor mir, man mag also einwerfen, ich hätte da leicht reden. Wenn der eigene Faltenwurf noch keine Schatten wirft und man auch dann von Kerlen angesprochen wird, wenn man nicht reich und besoffen aussieht, dann sollte man sich über die Wunder der Kosmetik, die die Abgründe der Natur zukleistern, nicht echauffieren. Mag sein, vielleicht, weiß nicht, interessiert mich eigentlich auch nicht. Wenn es denn irgendwann mal dramatisch wird, hilft Kleister auch nicht, egal wie teuer und schick. Wie eingangs erwähnt beschäftigte ich mich nur beruflich mit Kosmetik, meine privaten Ambitionen im Kleisterbereich sind überschaubar. Und meine beruflich Beschäftigung beschränkt sich in diesem Kontext auch nur darauf, Unnötiges mit vielen Worten möglichst schön darzubieten.

Weil Schein eben über Sein geht…

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