Hummeln im Arsch oder: Shut the Fuck up and stay awkward!

Wenn man hier so ab und an vor sich hin liest, könnte man durchaus den Eindruck gewinnen, ich sei einfach nur furchtbar chaotisch und eigenartigst alternativ-diszipliniert; das ist auch nicht ganz falsch. Und deshalb kann ich auch so hervorragend über Prokrastination schwafeln. Außerdem bin ich eine dieser ausgewachsenen ADHS-Fälle, im mehrfachen Sinne; und auch wenn ich selbst das nicht immer ernst nehme, macht der Dreck immer mal wieder ernst mit mir. Und deshalb brauche ich dann 4 Tage für eine einzige schwafelige Blogpost über Prokrastination. Weil: mein Kopf ist zu klein für all die Dinge, die da drin so rumschwirren, und was keinen eigenen Speicherplatz mehr erwischt, möchte SOFORT raus, erledigt und umgesetzt werden, GLEICH JETZT und ALLES ZUGLEICH. Und deshalb kann ich mich auch hervorragend über meine bescheidene Multitaskingfähigkeit lustig machen; weil Multitasking generell Bullshit ist – erfunden von irgendwelchen Managementfressen (und propatriarchalen Weiberzeitschriften), die ihre Mitarbeitenden (und berufstätige Frauen/Mütter) möglichst effizient ins Burnout (und den völligen Zusammenbruch) katapultieren möchten – und der Multitaskingbullshit bei mir besonders grandios stinkt.

Und bevor hier gleich der Spendenhut durch die Reihen geht, damit ich mir einen schönen Yogitee zum Ritalin einpfeifen kann und dem Abschluss der Dissertation so auf halbwegs funktionsähnlichem Level entgegenschleichen darf, sei festgestellt: hier wird nicht gejammert, hier wird höchstens gelacht. Weil: wenn man sich selbst zu ernst nimmt, macht das schlechte Laune, denn zumindest mit einem Menschen sollte man sich gut verstehen, und das ist man im Idealfall selbst; und: mit sich selbst über sich selbst lachen hält die Lachfalten jung und macht hübsche Herzmuskeln. Und weil’s so lustig ist, mache ich das seit Jahren auch ohne Medis (oder Yogitee, beides zu teuer), denn irgendwie werde ich ein bisschen ausgewachsenes ADHS schon packen, und nicht umgekehrt.

An guten Tagen kann ich mich sogar mehrere Stunden am Stück (exklusive Pinkelpause, ich bin ja nicht Wonderwoman) auf eine Aufgabe konzentrieren – meistens bin ich dann krank oder unter so großem Druck, dass es fast krank macht. An normalen Tagen schleppe ich mein To-Do-Notiz-Orientierungs-Buch überallhin mit (außer zur Pinkelpause, ich bin ja nicht Managementwoman) und komme so halbwegs koordiniert und durchschnittlich „erfolgreich“ durch den Tag, vorausgesetzt, ich vergesse nicht, auch mal im schlauen Büchle nachzuschlagen, was denn eigentlich so ansteht. Kann durchaus passieren. An semioptimalen Tagen danke ich der Papierindustrie für Post-Its, die je nach Wichtigkeit einer halbwegs erfolgreichen Tagesabwicklung praktisch überall kleben und mich daran erinnern, dass

  • Pflanzen umtopfen/gießen/bequatschen
  • Sofa ausklopfen und absaugen
  • recherchieren was Madonna am 26.7.1987 zu essen hatte
  • kurz diese eine Kurzgeschichte nachlesen, aus der man etwas zitieren könnte
  • noch schnell dieses eine Kleid nähen, dessen Schnittmuster easypeasy aussieht

NICHT jetzt sofort und schon gar nicht ZUGLEICH erledigt werden muss, egal wohin der Kopfkompass gerade strebt; wenn die klugen Post-Its mich von der Pinkelpause (ich bin ja nicht Dehydrationswoman) zum Entspannungstee-holen in die Küche und von dort zurück in die Leseecke für Recherchearbeiten schicken, dann versuche ich bestmöglichst zu folgen. Außer mir fällt grad was ganz brilliantes ein. Fensterputzen etwa, oder Zehennägel schneiden.

Menschen mit halbwegs Verstand und einem geregelten Einkommen lassen sich in diesen Zuständen übrigens therapeutisch und medikamentös aushelfen, was vielen hilft. Ich kann mir das derzeit grade nicht leisten, zudem würde das voraussetzen, dass ich mal dran denke, bei irgendwem mal irgendwann einen Termin zwecks Beratung u.ä. zu vereinbaren, nachdem ich meinen Kontostand überprüft habe. Und zwar ziemlich genau in dieser (beinahe schon kausalen) Abfolge. Was ich selten schaffe, weil ich immer ein wenig Angst und Ehrfurcht vor meinem Kontostand habe und diesen daher eher selten sehe; daraus ergibt sich logischerweise ein ignoranzbedingtes monetäres Unvermögen zur erfolgreichen Verabredung für ein (therapeutisches) Beratungsgespräch. Was aber auch völlig in Ordnung ist. Immerhin ging’s mir schon schlechter, und da war dann auch Hilfe da (klar, hab ich nicht selbst organisiert). Und an ganz argen Tagen gönne ich mir eine „energetisierende“ Grüntee-Guarana-Mischung,der einen so dermaßen erfolgreich vitalisiert, dass einem das Marketingkonzept der Teefirma die Hummeln im Arsch zumindest kurzzeitig sediert. Reicht ja auch schon. Stay positive!

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