The Walking Undead oder: Wer mir Zeit stehlen kann, hat noch ausreichend Pulsschlag

Im steten Bemühen um vielseitige und womöglich doch auch noch regelmäßig Einkünfte (jajaja, die „frei-schaffende“ in mir wird ja wohl noch träumen dürfen…) ergeben sich auch Möglichkeiten, für fast lau und mit viel Liebe zum Mitmensch als OrdinationsassistenIn/ArzthelferIn ein wenig Lebenszeit zu verbringen. An sich eine löblich Tätigkeit und zudem angenehm für Menschen mit Hang zum Zeitmanagement, da hier die Arbeitszeiten teils in Stein gemeißelt und in Großdruck festgehalten sind, sodass die Gefahr von zuviel erwünschter zeitlicher Flexibilität praktisch gebannt scheint. Meist.

Ich muss hier leider passen. Meine tiefsitzende Abneigung gegen unnötige interpersonale Kontakte und Kommunikationsakte hat sich von „latent“ zu „tiefsitzend“ während der Ausübung eben jener Tätigkeit einige Jahre zuvor manifestiert.

Ich war mal ein paar Monate bei einer praktischen Ärztin im Frontdienst. Wir haben uns hervorragend verstanden und waren recht zufrieden miteinander; wenn da nicht noch diese anderen Menschen gewesen wären, ich wäre dort heute noch. Wobei man das jetzt bitte nicht falsch verstehen sollte: wenn ich mit den Fingern in die Kreissäge komme und es heftig blutet, dann denke auch ich an einen Gang zum Fachmenschen. Ebenso wenn ich aufgrund starker Rückenschmerzen tagelang an Gollum erinnere und irgendwann von A nach B zu rollen beginne; da denke ich dann: „ach, so ein kleines Schmerzmittelchen wäre vielleicht angebracht.“ Und auch für Operationen am offenen Herzen, Entbindungen und Amputationen reichen der Konsum einiger YouTube-Videos und eine optimistisch-zuversichtliche DIY-Einstellung sicher nur bedingt aus, um tatsächlich erfolgreich zu sein.

Aber man muss armen OrdinationsassistInnEn auch nicht wegen einem eingewachsenen Zehennagel, Phantomschmerzen zur Arbeitsvermeidung oder unaussprechlicher Medikamente die Hölle heiß machen; das lässt sich doch alles auch verträglich gestalten, weil, Eile beim Arzt macht schlechte Laune, vor allem mir. Weil: diverse Launen sind nicht das Problem der Ordinationsassis (also mir).

Niemand vereinbart einen Termin fast alle wollen zur/m Heilenden ihres Herzens: Das kann natürlich so nicht funktionieren. Um diese Tatsache kompetent zu vermitteln, sitzen dann so Menschlein (wie zum Beispiel ich) hinter einer viel zu großen Pudel und versuchen erstmal herauszufinden, wo bei Namensangaben wie „Christopher Paul Peter“ vorne und hinten ist und ob man der älteren Dame mit dem freundlichen Lächeln und dem geistesabwesenden Blick tatsächlich drei Großpackungen Schlafmittel verschreiben darf, oder ob man sich damit Tage später in den Lokalnachrichten wiederfindet. Die mittelalterliche, vollschlanke Dame, die jeden zweiten Tag nach Rezepten für Blutdruck- und Cholesterinsenker für sich und ihren chronisch kranken Göttergatten verlangt und dabei einen zarten Duft aus dem Potpourri von Döner, Pommes und kaltem Rauch verströmt, schuf mit ihrer beständigen Präsenz einen Hauch Routine und fast wäre ich versucht gewesen, ihr einen eigenen Stuhl mit Gravur ins Wartezimmer zu stellen…aber nur fast. „Ältere“ Damen (fast ausschließlich; das Geschlechterverhältnis scheint nach Erreichen des 65. Lebensjahres doch deutlich zu kippen), die einem tütenweise leere Medikamentenschachteln vor die Nase kippen, weil „also das brauch ich mal sicher, junges Fräulein, und dann sehen wir weiter, und zur Frau Doktor möchte ich auch“; höchst wichtige Damen/Herren, ohne die sich die Welt nicht weiterdrehen würde – weil sie sind schließlich Mag./Dr. Gofuckyourselfandgetalifeasshole  -, die es ungeheuerlich finden, dass sie tatsächlich warten müssen, wo sie doch keinen Termin vereinbart aber es trotzdem furchtbar eilig haben; alte Männer mit Hut (jaaaa, genau, es sind zwar wenige, aber die wenigen haben ihr ganz eigenes Klischee….) die nicht 100% überzeugt davon sind, dass ich als junge Frau tatsächlich lesen und schreiben kann und lieber mit jemand „ernstzunehmenden“ über ihre Medikamente sprechen möchten; und all jene Kandidaten, die laut Selbstdiagnose und Dr. Google praktisch mit einem Fuß im Grab stehen, was sich allerdings (noch) nicht mit den Erkenntnissen der behandelnden Ärzte und diversen tatsächlichen Testergebnissen deckt und dementsprechend natürlich SOFORT, nachdrücklich und ausführlich mit MIR besprochen werden muss, weil, bis zur Frau Doktor ist man ja noch nicht durchgedrungen; …

Ne, das mach ich lieber nicht nochmal. Da muss man definitv dafür gemacht sein, für den Umgang mit Menschen sowieso und hier im speziellen nochmal mehr. Dann doch lieber illustre Text- und Korrekturkatastrophen, da darf ich wenigstens alleine und ohne Menschen vor mich hinexistieren. Und laut lachen ohne dass mich jemand komisch ankuckt oder sich zutiefst beleidigt fühlt…

Bullshitbingo Pt. 2 -viel „Wollen“, wenig „Sollen“

Wie ich schon mal erwähnt habe (soweit die Erinnerung nicht trügt), arbeite ich immer mal wieder als Texterin, um meine bescheidenen Talente in den Frondienst des schnöden Mammons zu stellen, weil, nichts ist umsonst, auch nicht die Pflege bescheidener Talente. Besagter schnöder Mammon führt zu öder Tätigkeit, vor allem für so weltfremde Menschen wie mich, die ohne Fernseher am gesellschaftlichen Puls der soziokulturellen Brennpunkte vorbeiexistieren und höchsten Mal von IKEA und H&M so ’ne prä-spammige schicke Werbemail kriegen [und ja, tatsächlich: wer halbwegs schreiben kann, kann damit popkulturelle Ignoranz ebenso halbwegs ausgleichen…]. Trotzdem soll ich Begehren schaffen, wo absolut kein Begehren nötig ist, weil kein Mensch den überteuerten Drecksplunder braucht – bitte gerne, für ausreichend Euro pro Wort verkaufe ich Donald Trump auch Echthaartoupets, damit er sich sein verratztes Meerschweinchen nicht mehr so armselig über das hohle Haupt drapieren muss.

Mal wieder Mode; hatten wa schon, mäßig belustigend. Letztes Mal sollte ich über die Vorzüge „ästhetischer“ Damenunterwäsche schwadronieren – die Recherche zum Thema erwies sich als außerordentlich erleuchtend für jemanden, die ihre Schlübber bei Aldi ersteht (3 Stück für 5 Euro, dafür lachen dir dann Tweetie, der Pink Panther und Betty Boop vom Arsch) und der latente Alltagssexismus des Auftrages an sich rundete die absolut erhellende Texterstellung  gelungen ab. Diesmal war nix mit Alltagssexismus, dafür galt das weitverbreitete Motto der Modewelt („Vorwärts in die Vergangenheit!“) und verlangte eine ausführliche Recherche zum Thema „Jeans sind nie out – aktuelle Trends“, die  geradezu überwältigende Ergebnisse brachte und deren Resultat dem Titel eindeutig widersprach: manches wurde zu Recht geschreddert.

Da Kindheit und Teeniezeit die 80er und 90er ausreichend abdecken, kann ich mich an viele Hässlichkeiten live erinnern und musste manche sogar selbst tragen (nein, Leggings sind immer noch KEINE Hosen); dass also jemand ausgerechnet diese absolut hässlichen und grausam unbequemen Hosen reaktiviert, deren Bund einem bis zum Brustansatz reichen und die jede trächtige Elefantenkuh ästhetischer wirken lassen als ihre(n) Träger(in), hat mich nicht nur zutiefst verstört („sowas von scheissunbequem, die Drecksteile!!!“, ruft es aus dem letzten Jahrhundert; „Das is jetzt wieder hip weil wir noch ein paar Lager voll übrig haben, und außerdem heißt das High-Wa(i)st(e)!!!“, brüllt das Jahr 2016 in die Vergangenheit zurück), sondern auch zutiefst beunruhigt (immerhin werde auch ich irgendwann mal wieder neue Jeans kaufen müssen…ich hoffe, der Trend stirbt schneller als meine Lieblingshosen). Wahrlich faszinierend finde ich es allerdings, dass junge und „moderne“ Frauen, die halb so alt sind wie ich und trotzdem schon rauchen, freiwillig sogenannte „Mom-Jeans“ (Name=Programm) kaufen sollen; klar, damit der Industriewunsch aufgeht, schreiben sich so Honks wie ich die letzten Reste guten Karmas und Ehrgefühl aus dem Verstand, damit dir (ja DIR, dir da draußen mit dem mickrigen Instagram-Account, der noch etwas mehr #YOLO, #WTF, #STYLE und #whatwouldaKartrashianwear vertragen könnte, also kauf, kauf, KAUF!!!!) klar wird, dass „Mom-Jeans der neueste Shit sind, die man lässig mit Shirt und Sneakers zum Bummeln, stylish mit Pumps, Bluse und deiner (obligatorischen) Michael-Kors-Bag (never forget the fucking Michael-Kors-Bag, like, NOBODY got one, biatch) im Office und natürlich schick und sexy mit Stilettos und verführerischem Top im Club kombinieren kann – lass dich nicht vom Namen täuschen, mit Mom-Jeans bestimmst du alleine, was läuft!“…

Überzeugt? Ne? Ne, wär ich auch nicht, das Teil sieht tatsächlich unterirdisch aus, egal an welchem menschlichen Kleiderständer diverse Modemagazine es aufhängen. Aber ab einem gewissen Maß an Informationsüberschuss reagieren Hirn und (Tipp)Hand bei mir dann überreizt und übermütig, was oft zu besonders, ähm, „einzigartiger“ Textkunst führt, die glücklicherweise für drittklassige Lifestyle“blogs“ irgendwo da draußen im WorldWideWeb ausreichen. Und mir ein bisschen Dach überm Kopf und so finanzieren. Und die (ebenso glücklicherweise) mit diesen dermaßen furchtbaren Themen nicht allzu oft bei mir aufkommen, weil ich nach mehr oder weniger erfolgreich absolvierten solcherartigen Aufträgen immer völlig schockiert bin, wieviel unerwünschte Info mein Hirn in sich aufsaugt und nienienienie wieder freigibt – Mom-Jeans forever!!!!