Shit people say ODER: „Also für dich als Frau hätte ich ja einen speziellen Auftrag…“

Manche Menschen verfügen über eine wahre Fülle an Talenten und können dementsprechend mit kreativen, praktischen und sozial kompetenten Eigenschaften ihre Miete und weitere Kosten decken; dazu gehöre ich leider nicht. Neben Eigenständig-Atmen, Aufrecht-Gehen-&-Stehen sowie bei Bedarf mit Offenen-Augen-geradeaus-Schauen zeichnen sich meine Möglichkeiten zur monetären Selbsterhaltung durch bescheidene Überschaubarkeit aus. Zu diesen zählt auch die professionelle Textproduktion jeglicher Art, nicht zuletzt im Onlinebereich. Schnell, anonym, flexible Zeiteinteilung, Heimarbeit – für weltfremde Nachteulen mit beschränkten sozialen Kompetenzen also optimal.

Nun ist es in der professionellen Textproduktion mit leicht werbender Schleimgrütze im Abgang ja grundsätzlich selten so, dass man über die Dinge schreibt, mit denen man sich gut auskennt – die wahre Kunst ist an dieser Stelle schließlich, auch für die hinterletzte Website mit den unattraktivsten und unbekanntesten Produkten informative Texte zu schreiben, die zugleich Begehren schaffen. Ob ein Doppelcarport Premium mit Trapezdachplatte, Feng-Shui-Elemente für die optimal eingeschwungene Deluxe-Hundehütte oder Kosmetikplunder mit der Garantie zur Vollverarsche – auch SIE können sicher nicht ohne! Und so Tippsen wie ich bringen mit ihrem oberflächlichen Kurzzeit-Wissen in einem knackigen, bedarfsorientierten Stil textuell den Schrott unter die Leute, salopp umschrieben.

Wer nun glauben möchte, dass vorurteilsbeladenes Verhalten bezüglich der deutlich erkennbaren Geschlechtszugehörigkeit nur in bestimmten Situationen und Etablissements aufkommt (Stichwort: Kneipe, Bar, Bordell, Straßenstrich), der/die/das irrt. Wo sonst primären Geschlechtsmerkmalen die Schuld für mangelhaftes Benehmen und fehlerhafte Zuschreibungen gegeben wird, zählen in der Auftragsvergabe der Textfließbandproduktion genetisch determinierte Interessensgebiete. Soll bedeuten, dass Aufträge weniger nach tatsächlichem Wissen, sondern mehr gemäß dem ausgesprochen professionellen und erfolgsversprechenden „Also du als Frau kennst dich da ja sicher aus“-Motto vergeben werden. Ein Motto, das nicht nur alle Gender_Beauftragte_N dieseits und jenseits des Hausverstandes zu lauten Schluchzern und leiser Realitätsflucht animiert, sondern auch die Grundlage für einige nette textuelle Absurditäten sein kann.

Nicht nur absurd, sondern beinahe schon abartig pervers sind dann dementsprechend eben jene Auswüchse, die dazu führen, dass eine glücklichst kinderlose Tippse in den fidelsten Ewig-Jungen-Jahren (ja richtig, ich!) plötzlich über die kaum in Worte zu fassenden Vorteile sogenannter Kombikinderwägen schreiben muss, von denen sie natürlich noch nie zuvor gehört hat und hoffentlich auch nie wieder hören wird. In diesen Teilen kann man die zweibeinige nächtliche Ruhestörung in den ersten paar Jahren praktisch vom Geburtskanal bis an die Tore des Kindergartens rollen, im jeweils passenden Multifunktionszu- und umbau natürlich. Eine grandiose Entwicklung im Bereich des Kleinkindtransportgewerbes also, vor allem preislich. Das wertvolle Wissen für die Erstellung von Texten, die unter anderem auch zum Kauf eines Möchtegern-Jaguars für zukünftige Erben und die Hoffnungen dieser Welt motivieren sollen, gewinnt man als völlige Nulpe im Themenbereich übrigens (und wie immer ganz generell) im Netz. Bei der Recherche in diversen Internetforen a’la „Hormone statt Hirn – Mutterschaft und du“ darf man so manche illustren Erkenntnisse zum genannten Thema in Erfahrung bringen, die im Kontext der halbwegs informativen Texterstellung tatsächlich enorm hilfreich sind. Schließlich möchte man ja niemandem den falschen Stoßdämpfer für den Fahrrad-Anbausatz des Schnulli Extreme 3000 Deluxe Pro aufgrund mangelnder Fachkompetenz andrehen. Das könnte bei längeren Ausflügen nämlich zu einer asymmetrischen Verteilung des Windelinhalts führen, was wiederum wenig erfreulich für Windelbefüller und Windelentleerer ist – meinte damals im Forum zumindest „CheyenneproudmommyJustin“. Und die klingt so, also ob sie wüsste, worüber sie schreibt. Vor allem im Gegensatz zu mir. Auch diverse Sicherheits- und Reinigungshinweise übernehme ich natürlich dankbarst – in der KleinkindKotzKunde bin ich schließlich nicht bewandert und ob die abnehmbare Babyschale problemlos in den Porsche Cayenne passt oder man sich dafür doch ein anderes Hauptberufliche-Gattin-Gefährt zulegen muss, damit einem der Airbag beim Kuscheln mit der Säule im Parkhaus nicht den Nachwuchs an die Heckscheibe pfeffert, tangiert mich abseits beruflicher Notwendigkeiten noch nicht mal peripher. Aber das macht auch nichts, denn immerhin sollen so wahnwitzige Textmaschinen wie ich den Plunder ja nur halbwegs ordentlich bewerben und nicht direkt verkaufen, zum Glück. Denn ich weiß nicht, was ich da tue…oder wie meine Omama sagen würde: Rebel without a cause

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