Summertime, and the living is… – zu laut für jemanden, der „Fortpflanzung“ für eine ansteckende Krankheit hält

Wer mich auch nur ein kleinwenig besser kennt, weiß, dass ich nicht unbedingt dem allgemeinen gesellschaftlich-soziologischen Konsens des Menschen als soziales Wesen entspreche. Wer mich zum richtigen Zeitpunkt sieht und hört, könnte sogar daran zweifeln, dass man Menschen an sich überhaupt als ‘soziale Wesen‘ bezeichnet, so irgendwie. Der einzige Immobilienerwerb, der für mich jemals in Frage kommen würde, wäre eine Insel – weshalb ich auch mein Geld gleich in diesem Leben auf den Kopf hauen kann, denn mit diesen Ansprüchen erledigt sich die Immobilienfrage praktisch von selbst. Wohnen muss ich aber trotzdem, klar.

Während nun der Held meines Herzens mitten im Stadtzentrum in Friede und Freude am Puls des Lebens zuhause ist, wohnen die Mieze und ich in einem dieser ewig gleichen Vorortfamiliensümpfen, herz- und hirnlos gestaltet ohne jegliche anständige Infrastruktur, dafür aber mit zahlreichen Mietkaufoptionen oder wie man sowas nennen mag. Hier nisten sich Karlheinz und Uschi/Mark-Anton und Ann-Sophie ein, um Chantal-Josephine und Jeremy/Helena und Paul-Noah-Gabriel inmitten einer erfolgreich idealisierten grünen Vorstadtidylle großzuziehen. Kein Problem für all jene mit ausgezeichnetem Scheissefilter und entsprechend guten Nerven. Wozu ich nicht durchwegs zähle. Schon gar nicht bei enervierendem, anhaltenden Kindergeplärre.

Dank Mieze und den derzeit hervorragenden Mietkonditionen nach wie vor im Vorhof der grünen Einfamilienhölle gehalten, krachen im Sommer die Interessen zwischen Mieze, mir und der Welt um uns herum verständlicherweise ein kleinwenig zusammen. Mieze möchte ab und an bei Sommerwetter gerne the hood checken, was so abgeht. Ich muss dementsprechend regelmäßig draußen bzw. bei durchwegs offener Terrassentür hausen, für ein bisschen bonding time von Mieze und ihrer Hood. Auf letzteres könnte ich allerdings gerne verzichten. Denn in unmittelbarem akustischen Umfeld finden sich 4 – nochmals zur Verdeutlichung ausgeschrieben: VIER – Kleinkinder unter zwei Jahren. Dazu zählen unter anderem der kleine Paul schräg gegenüber sowie das namenlose Wesen zwei Terrassen weiter. Dass ich den Namen von einem der Kinder kenne, ist glücklicherweise nicht das Resultat einer Bekanntschaft mit den Eltern, sondern der Tatsache, dass dieses Kind unglücklicherweise bevorzugt im Garten seinen Unmut kundtut – ich wage sogar zu behaupten, dass die Eltern des kleinen Pauls den Garten bewusst als zentralen Schrei- und Quengelort gewählt haben, weil sie dann die Terrassentür hinter sich schließen und im Haus ihre selige Ruhe genießen können.

Fast noch schlimmer als das Kindergeschrei – gegen das man ja vor allem als Frau im gebärfähigen Alter um Himmels willen nichts sagen darf, weil das ist doch nicht normal, Kinder sind auch Menschen, die möchten sich ausdrücken, beginnen gerade erst mit ihrer Charakterentwicklung, blablatrallalla und whatthefuckelse den weichgespülten Möchtegern-Montessoripädagogen noch so einfällt, um sozial eigenwilligen jungen Damen das Leben schwer zu machen – sind dann aber doch fast die Eltern, die irgendwann mal dem Geschrei folgen. In Pauls Fall ist dies vor allem die Mutter, die mit einer recht eigenwilligen, um nicht zu sagen, unsäglich grausamen Stimme gesegnet ist, welche sich durch das Gebüsch, die Bäume und Zäune bis hin zu den umliegenden Terrassen und Gärten verbeitet, um bei den unfreiwillig Zuhörenden kalte Schauer der plötzlichen Aggression zu erzeugen. Ich kenne das Gesicht dieser Frau nicht, aber ihre Stimme wird mich noch Jahrzehnte, nachdem ich die Vororthölle hinter mir gelassen habe, verfolgen.

Das Kindergbrüll hat übrigens beinahe nahtlos die Stadionlautsprecher der  TV-Geräte älterer Nachbarn abgelöst. In der Retrospektive vermag ich nicht zu sagen, was das Blut mehr in Wallung gebracht hat. Ich kann aber mit großer Sicherheit festhalten, dass mir keine einzige TV-Sendung – nicht mal Weihnachten/Silvester/Ostern/Muttertag/Weltlinkshändertag auf Gut Aiderbichl – solche Aggressionsschübe beschert hat, wie die Stimme von Pauls Mutter. Wobei die wenigen Worte, die ich auf ihrer Frequenz immer mal wieder deutlich vernehme, auch nicht gerade von einer unglaublichen Tiefe der Botschaft zeugen. Mag aber auch sein, dass hier meine Voreingenommenheit bezügliches des Mediums die Wahrnehmung der Message verzerrt…

So sehr mir meine Mieze auch am Herzen liegt, in dieser Hood werden wir nicht alt – ich mal sicher nicht und sie ist es ohnehin schon. Wobei sich in den kommenden Jahren mit dem wachsenden Straßenstrich an der Zufahrtsstraße interessante neue Entwicklungen für diese Gegend ergeben könnten. Und das meine ich jetzt ausnahmsweise mal tatsächlich ernst.

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