How to survive on something I cooked oder: Wie man auch für wenig Geld beschissen essen kann

Kochen ist ja total in. Unglaublich hip. Kochblogs, Kochshows, eigene Channels rund ums Kochen, alles rührt im Topf. So scheints zumindest.

Ist ja auch alles irgendwie sehr verständlich. Gut und gesund essen erhält Körper und Geist, wie schon seit Jahrhunderten so oder so ähnlich gepredigt wird. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt uns im alltäglichen Leben – sich mit der Zubereitung von Nahrung zu beschäftigen ist also nicht nur verständlich, sondern auch löblich. Da es aber mittlerweile wortwörtlich unaussprechliche Zustände angenommen hat, erleben Kochmuffel mit mangelhaftem Talent für die französische Sprache den Boom von der letzten Reihe aus.

Willkommen in meiner Welt.

Ich habe einige Zeit recht gern „Das perfekte Dinner“ geguckt, aus purer Faszination für den Fanatismus anderer. Wie man Stunden in einem Raum zubringen kann, in dem kein Sofa steht, war mir schon immer ein Rätsel. Dass man für Küchenmaschinen, die mehr Funktionen haben als der T1000, gleichviel zahlt wie andere für einen Kleinwagen, ebenso. Und spätestens beim Abschnitt zur Tischdeko war ich bereits auf dem Weg in die Küche, um die TK-Pommes gleichmäßig auf dem Blech zu verteilen – weil ich Hunger bekommen habe, aber nicht kochen kann. Oder – deutlicher formuliert – kochen scheisslangweilig finde. Aber es natürlich tun muss, weil: hungrig bin ich ja trotzdem.

Simple Devise: Nahrung ist Treibstoff. Dank der universalen Weisheiten diverser Foodtrends (Fast, Slow, Healthy, Steady, Hot, Whatthefucksoever) soll aber nicht mehr einfach nur ein physisches Grundbedürfnis gestillt werden, nein, es muss zelebriert werden wie Sau. Auch gut, go for it. Aber bitte, erspart mir den Bullshit – ich bin zu ignorant, um Begeisterung bezüglich einer aus Karotten geschnitzten Rose zu faken. Dafür aber ehrlich dankbar, wenn jemand einfach gut für mich kocht, ohne mir zu erklären, wie und was genau, und mir den Teller und Tisch mit Dekogedönse vollmüllt.

Natürlich koche auch ich frisch, vielfach. Nicht nur weil ich sonst ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Treibstofftank bekomme (danke, liebe Foodfaschisten), sondern auch weil es billiger ist als der Fertigdreck. Ich komme länger mit 2,5 Kilo Kartoffeln aus als mit der Fertigpampe vom Käpt‘n und Konsorten. Dafür nehme ich auch schälen und schnippeln in Kauf (was das denkbar langweiligste an dem ganzen Prozedere ist). Zudem ist der Fertigdreck immer unterirdisch beschissen gewürzt. Ich selbst verwende ja auch und vor allem Käse als Gewürz (man kann praktisch ALLES mit Käse überbacken) und würde nie behaupten, ich könnte die Feinheiten diverser Gewürze irgendwo rausschmecken. Aber bei Preisen von 2,50 Euro aufwärts für halbsättigende Produkte erwarte ich mir etwas mehr Rumms. Denn wenn ich nur rausschmecke, dass da irgendwas fehlt, dann kann ich auch gleich selbst kochen.

Die Faszination mit dem Thema Essen und Nahrungszubereitung darf mir herzlichst gerne ein Rätsel bleiben. Wie man aus einem praktischen Umstand eine verkniffene Leidenschaft kreiert, für die Leute Hunderte von Euros ausgeben, scheint mir eher ein kluger Marketingtrick als echtes Engagement seitens irgendeiner Industrie. Und zweifelhafte lukullische Vergnügungen kriegt man auch mit wenig Geld hin – ich weiß, wovon ich schreibe. Aber jeder braucht ein Hobby, und der Mensch als Gemeinschaftstier wird wohl glücklicher, wenn er im Kollektiv schnibbelt.

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