Beginners only

„Wat mutt, dat mutt“ …spricht der weise Klugscheißer mit Hang zum Fatalismus gerne mal locker aus. Kommt gut in der nachmittäglichen Doku-Soap (Scripted-Shit), eignet sich auch, um bei semiprofessionellen Personalmeetings  mal locker-flockigen Kontakt zum einfachen Mitarbeitersegment zu simulieren und aus akademischem Munde signalisiert es eine intellektuelle Sympathie mit dem postmarxistischen Kampf um Lohn fürs Brot. Eine multifunktionell einsetzbare Volksweisheit sozusagen.

Eine besonders ironische Note im Abgang enthält besagte kluggeschissene Weisheit aber für Studenten und jene, die es zumindest theoretisch sind. Multifunktionalität vom Feinsten ist gefragt, wenn neben der Nahrung fürs Hirn auch noch ein wenig Nahrung für den Rest des Körpers beschafft werden soll. Wer nicht der vielbeneideten HaBeSöTö-Fraktion (Hauptberufliche Söhne/Töchter) angehört, muss sich mit den unterschiedlichsten und durchaus auch eindrucksvollen beruflichen Nebentätigkeiten vertraut machen, die man im Vollbesitz seiner (vor allem) körperlichen Kräfte ausüben könnte. Das schult für die Zukunft als Arbeiterameise, lehrt devoten Gehorsam, trägt zur Widerstandsfähigkeit bei und eröffnet einem Welten, bei denen man sich auch im Nachhinein nicht sicher ist, ob deren Öffnung tatsächlich notwendig für die berufliche und persönliche Weiterentwicklung war. Doch wir sind ja keine Karrieristen, wir sind Studenten und können ruhig hart rangenommen werden, bevor wir nach Abschluss des Studiums automatisch in die Führungsetage renommierter Firmen strömen, um dort vom ersten Tag an für wenig Arbeit ein exorbitantes Gehalt zu kassieren. So läuft das nämlich immer, ausnahmslos. Vor allem in den Geisteswissenschaften. (Ich verbitte mir an dieser Stelle hämisches Gelächter auf den billigen Plätzen.)

Wer aufmerksam mitgelesen hat, wird erkannt haben: „Hier schreibt eine Geisteswissenschaftlerin!“ (Richtig. Auf Wunsch dürfen gerne 100 Punkte gutgeschrieben werden, Waschmaschinen gibt es allerdings nicht.) „Und die will ein Buch schreiben!“ (Falsch. Denn sonst würde ich hier nicht WordPress plagen, sondern überarbeitete, unterbezahlte Verlagsangestellte. Die 100 Punkte werden im Bedarfsfall an dieser Stelle wieder abgezogen, Waschmaschinen gibt es immer noch nicht.) „Die will hier jetzt in dutzenden Post rumjammern, wie hart das Studentenleben sein kann.“ (Falsch. Dafür gibt es -100 Punkte, wer jetzt genervt die Augen verdreht, muss zur Strafe die „Shades of Grey“-Trilogie lesen.)

Richtig ist vielmehr, dass im Leben ja vieles eine Frage der Perspektive ist – eine weniger volksweisheitliche, trotzdem aber immer noch klugscheißerische Feststellung. Kommt bezüglich der Intensität an diskutabler Weisheit auch weniger aus der Philosophie (Kant und Nietzsche rotieren im Grab) als aus der Psychologie, wahrscheinlich aber aus dem amerikanischen Self-Improvement-Gedöns. Kann aber trotzdem hilfreich sein, um sich den grauen Alltag zwischen den heiligen Hallen der akademischen Bildung und dem simplen Brotjob ein wenig unterhaltsamer zu gestalten. Denn wer längerfristige akademische Abenteuer über ein Diplom (bzw. Bachelor/Master) hinaus plant, ist ebenso längerfristig Teil der erlauchten Gemeinde der multifunktionellen Jobhopper. Und daraus lassen sich mitunter interessante, wenn nicht sogar amüsante Erkenntnisse gewinnen. Die man ja auch mal schriftlich festhalten kann, um damit im virtuellen Nirvana Menschen zu beglücken, die sich dank des Blogtitels einen schlüpfrigen Inhalt erhofft hatten. Oder zumindest ein paar Schmuddelbildchen zur Inspiration für weiterführende Genitalgymnastik.

Stattdessen gibts jetzt betitelungsmäßig eine Mogelpackung mit erhofftem Mehrwert – sozusagen. Wat mutt, dat mutt.

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